Jo mei! Des is' holt die Natur!

FAMILIENURLAUB IM BAYRISCHEN WALD.

 

Aus aktuellem Anlass mal ein anderes Thema, denn wir kommen gerade aus den Sommerferien.

Nun ist das mit dem Urlaub als Familie ja auch so eine Sache. Sozusagen die ultimative Prüfung der Leidensfähigkeit. Schlafentzug, Kindergartendienste, Trotzphase alles pillepalle! Beim Verreisen geht der Spaß erst richtig los.

Früher, da bist Du mit Deiner Liebsten um die Welt gebummelt. Da brauchte man zum großen Glück nur eine Matratze und exotische Kulissen.
Unser schönster Trip der „Prä-Kids-Ära“ war zum Beispiel eine Woche in Rom. Die haben wir in einer sehr einfachen Pension verbracht, wo sich der Service des Personals darauf beschränkte, dass man vom Fernseher sitzend in Richtung der Zimmerschlüssel deutete, was so viel bedeuten sollte wie: „Verdammt nimm dir deinen Schlüssel selbst! Du weißt ja wo er ist und schließlich siehst du, dass ich hier zu tun habe.“

Bis in die Puppen in den Kissen gelegen, dann einen Espresso um die Ecke und zu Fuß die Stadt entdeckt. Erst Collosseum, dann Hand-in-Hand mit einem geteilten Kopfhörer und Ray Charles auf den Ohren an den Zwillingskirchen vorbeigeschlendert, am Nachmittag Cappuccino am Piazza Navona – Leute begaffen - und in der Nacht auf einer Parkbank am Forum Romanum gesessen und Rotwein aus Plastikbechern getrunken. Hammermäßig!

So! Und mit Kindern...

So! Und mit Kindern muss man erst mal damit klar kommen, dass diese unbeschwerte Zeit vorbei ist. Ja klar, da gibt es diese Super-Cosmo-Familien, die das ganz locker durchziehen und trotzdem weiter um den Erdball jetten, aber die sind doch wohl eher die Ausnahme. Die traurige Wahrheit ist: Urlaub mit Kindern ist ein hartes Geschäft für uns Eltern! 

Erst einmal ist das ja alles ganz neu. Da fragt man sich, wo man überhaupt hinfahren kann? Ist es im Süden nicht zu heiß, im Norden nicht zu kalt für die Kleinen? Was muss alles mit? Mit einem 2-Wochen-Vorrat-Windeln und einer Palette Gläschen (man hört ja schlimme Dinge über die Babynahrung im Ausland), kommt die Ladekapazität eines handelsüblichen PKWs schnell an seine Grenzen. Spätestens an diesem Punkt des Vater-Seins muss man sich vom Spaß-Auto trennen und sich beim Händler des Vertrauens die Familienkutschen vorführen lassen.

Einziger Wermutstropfen: Zu dieser Zeit kann man noch die Nebensaison nutzen. Vom gesparten Geld kann man sich locker einen schicken, neuen, fahrbaren Untersatz leisten. Denn mit der Einschulung kommt die größte Strafe der Elternschaft. Da schlägt der Reiseveranstalter dann gerne mal 200-300 Prozent auf. Alternative wäre eine Pauschalreise in den Süden, mit Flug und Hotel „All-inclusive“. Wenn ich die Raten fürs Haus nicht mehr zahlen müsste, könnte ich mir sowas vielleicht für eine Woche alle zwei Jahre mal leisten, aber so muss man halt schauen was übrig bleibt. Im wahrsten Sinne, denn wer nicht früh genug dran ist, muss eh nehmen was übrig bleibt.

Familienurlaub muss geplant werden!

Familienurlaub plant man am besten ein Jahr (besser zwei) im Voraus. Da hat man eine einigermaßen reelle Chance noch was Vernünftiges zu kriegen. Und jetzt fang ich langsam mal an mit den bekannten Sprüchen. Wie ein Mantra spreche ich es mir immer wieder vor:
„Ne, also echt! Man muss ja auch gar nicht so weit fahren. Es gibt in Deutschland so viele schöne Fleckchen!“
In unserem Fall bedeutet das für dieses Jahr: Bayrischer Wald.
Was ich weiß: Die haben dort gutes Bier und gutes Essen!
Das ist mir dann zunächst einmal Entscheidungshilfe genug.

Ich finde im Internet ein uriges Blockhaus im Naturerlebnisdorf Stamsried, welches zur Gemeinde Cham (ausgesprochen: Kaam) gehört. Das ist in der Nähe von Regensburg. Das Häuschen ist top und nur eines von ca. 20 weiteren baugleichen Hütten hier im Ferienpark. Da gibt es nichts! Sehr liebevoll eingerichtet und alles da, was man so braucht. TV in allen Räumen und eine Playsi für die Kleinen im Kinderzimmer. Für aufgeklärte Aufsichtspersonen natürlich total verboten, aber man ist ja im Urlaub und drückt mal ein Auge zu.

Das Wetter spielt ebenfalls mit und deshalb geht es gleich ab ins ortseigene Freibad. Das ist laut Prospekt das erste und einzige Naturbad Deutschlands. Für solche Superlative ist es dann doch sehr idyllisch und leer. Perfekt! Die Jungs hüpfen ins Wasser. Mama liest und Papa schlendert erst einmal zum Kiosk. Die Dame an der Ausgabe ist umringt von mehreren Kerlen. Sie halten einen Ratsch (bayrisch für zwanglose Unterhaltung). Einer der Herren wird auf mich aufmerksam und fordert seine Kollegen auf Platz zu machen. Ich glaube es zumindest, denn verstehen tue ich nichts.
Bayern ist wirklich das einzige Bundesland in dem der Dialekt noch kultiviert wird. Allein wegen der Sprachbarriere kommt man sich schon so vor, als wäre man im Ausland. Einer aus der Runde ruft noch etwas in Richtung der Thekenkraft, was ich ebenfalls nicht verstehe. „Holt die Schnauzn!“, gellt es zurück und dann zu mir mit zuckersüßer Stimme: „Bittschö?“ Die Dame ist eine waschechte Grantlerin. Das ist ebenfalls sowas Bayrisches. Grantln bedeutet im Prinzip, dass man mürrisch ist. Mürrische Leute gibt es bei uns genug, aber die bayrischen Grantler sind mürrisch und trotzdem irgendwie noch freundlich. Schwer zu erklären.

Der Kiosk meines Vertrauens

Kurze Zeit später kommt Papa mit Radler, Vollbier und Apfelschorle freudestrahlend zurück und die Familie ist bestens aufgelegt. Ich merke gleich, dass ich da was tun muss um die Menschen hier besser zu verstehen. Also fang ich an ein Buch zu lesen. Dazu habe ich im Alltag meist keine Zeit, also ist das wieder was Besonderes. Meine Lektüre: Winterkartoffelknödel von Rita Falk. Die Fälle des Eberhofer Franz sind mit einem Wort: Genial! Ich muss immerzu lauthals lachen und Mama ist genervt. Beim erstbesten Einkaufsbummel kauf ich mir gleich Teil 2 und 3.


Am nächsten Tag geht es so weiter. Diesmal ins Freibad nach Cham. Ein Knaller! Mit Rutschen, Wellenbad und allem pipapo. Der Familientarif liegt bei 7,- Euro pro Tag. Das entspricht bei uns dem Eintrittspreis für eine Person (wenn man damit hinkommt). Tag 3 bringt ebenfalls keine Überraschungen. Wetter top – die Frisur hält. 3-4 Halbe, auf der Terasse sitzen, plantschen, lesen und ab ins Bett. An Tag 4 wird es uns fast schon peinlich wie spießig unser gleichförmiger Urlaubsalltag ist. Und wieder ab ins Freibad. Heute ist es brechend voll und eher nicht so schön, aber trotzdem halten alle zusammen. Dann das Drama auf dem 5-Meter-Turm. Ein 3-Käse-Hoch steht als Letzter oben auf dem Brett. Er nimmt Anlauf, rennt los, bleibt im letzten Moment stehen, schaut runter, kriegt es mit der Angst, ein paar Schritte zurück und dann wieder von vorn. Die Bademeisterin ist nach dem zehnten Anlauf leicht genervt und will den Jungen auf anderem Wege runterführen. Doch der windet sich und beginnt seine Prozedur von neuem. Mittlerweile hat sich eine stolze Anzahl Zuschauer um das Becken herum versammelt. Da liegt ein Kribbeln in der Luft. In Gedanken sind alle bei dem kleinen Held in luftiger Höhe. Die spannende Szene geht noch etwa 10 Minuten so weiter. Immer wenn die Bademeisterin nun vollends die Nase voll hat, verschafft sich der Junge einen weiteren Aufschub. Der Platz ist nun wirklich gut gefüllt. Alle blicken mit Hand über der Stirn nach oben und senden positive Energie an den baldigen Springer. Wie so oft im Leben, bleibt das Happy-End aus. Der Knabe lässt sich von der Baywatch-Tante überzeugen, den Rückzug anzutreten. Ein Seufzer geht durch die Menge. Alle nicken sich noch einmal zu, bevor jeder wieder seiner Wege geht. Eine Euphorie überkommt mich. Ich spüre wie hier alle mental auf der gleichen Welle Schwimmen: Wir sind Freibad – Wir sind Bayern – Wir sind Deutschland. Ich wünschte hier wäre die Bundeskanzlerin mal zugegen gewesen. Ich seh die Angela im schwarz-rot-goldenen Bikini vor mir und blase zum Aufbruch. Ich brauche dringend ein Schnapserl und ein Helles!

Im Biergarten um die Ecke...

...kann der Nachwuchs wunderbar auf dem Spielschiff turnen und die Alten können sich einen Zwitschern. Wieder muss ich sagen: Die Bayern, die haben‘s verstanden!
Lästig sind wirklich nur die Wespen. Die sind übermäßig vorhanden und schwirren einem ständig vor der Nase und ums Glas herum. Ein pubertierendes Mädel am Nebentisch kriegt einen Schreikrampf und will sich gar nicht mehr einkriegen, weil gefühlte 36 gelb-schwarze Viehcher über dem Teller kreisen. Die beiden kleineren Geschwister werden auch schon unruhig. Man wartet förmlich darauf, dass die Eltern gleich einen Ausraster bekommen, aber die sind einfach nur cool und ertragen das Getue:
„Jo mei! Des is holt die Natur!“ sagt er zu seiner Gattin und zuckt mit den Schultern.
Ich weiß zwar nicht ob er die Insekten oder die Tochter meint, aber mehr ist aus dem weisen Mann nicht herauszubekommen. Schließlich kriegt sich das Mädchen wieder ein und futtert brav das Schnitzel. Der Vater lächelt und nickt zufrieden der Mutter zu. Was würde ich dafür geben, wenn ich auch so zenmäßig drauf wäre.

Nun gut, ich mach es kurz. Viel mehr ist auf dieser Reise nicht passiert. Die Auffahrt auf den großen Arber (größter Berg im Bayrischen Wald) und der Besuch im Playmobil-Funpark waren noch einmal echte Highlights. Ansonsten ist außer Baden, Lesen, Saufen nicht viel passiert. Furchtbar, furchtbar spießig oder nicht? Kann schon sein, aber trotzdem gut!
Ich bekomme fast schon eine Ahnung davon, was so einen Dauercamper dazu treibt sich auf seinem Stellplatz häuslich einzurichten und dann drei Wochen lang sein Vorzelt nicht zu verlassen. Nein, nein, das geht dann doch zu weit.

Die größte Erkenntnis: Urlaub ist dann, wenn keiner nölt! 

Da braucht man schon so seine vier bis fünf Jahre bis man sich damit abgefunden hat. 

Interessante Bauwerke, pulsierende Metropolen und exotische Schauplätze gibt es irgendwann auch wieder zu bestaunen. Dann nämlich, wenn die Brut zu alt ist für Familienurlaub und das geht schneller als man denkt. Bis dahin noch ein Helles trinken und genießen.

Was ich gelernt habe: Bayern ist lange nicht so scheiße-konservativ wie uns der Charakter eines Herrn Stoiber glauben machen will. Ich kann es nur empfehlen!   

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Kommentare: 13
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