Mein Sohn der Künstler

FAMILIENALBUM ODER EIGENE GALERIE?


Leider wahr! Eltern werden schon ziemlich psycho, sobald die Brut einmal da ist. 
Eine der unzähligen Marotten von Mamas und Papas in Ausbildung: Nervige Anekdötchen über die lieben Kleinen, die in Dauerschleife an die Umwelt abgesendet werden. 

Hatte ich schon erzählt, dass unser Jüngster gerade das Schwimmabzeichen gemacht?

Die Lehrerin hat ja durchklingen lassen, dass unsere Tochter sogar eine Klasse hätte überspringen können. Und so weiter und so fort!
Da können sich Männer übrigens nicht ausnehmen. Schwanzvergleich war gestern! Heute prahlen wir mit dem Nachwuchs (nach Abschluss der Familienplanung ist mit dem Geschlecht ohnehin nicht mehr viel anzufangen). Auch ich werde seit Wochen nicht müde, jedem, ob er will oder nicht, davon zu berichten, dass der Große mit seinen 8 Jahren den kompletten ersten Harry Potter Band verschlungen hat. Reife Leistung, oder?

Kinder sind Blaupausen der Eltern

Wir halten unsere Abkömmlinge offenbar für Blaupausen unserer eigenen Persönlichkeit. In Ihnen manifestiert sich nicht nur unsere DNA, sondern unser gesamtes Vermächtnis an die Nachwelt. Deshalb geht sofort eine Pressemeldung raus, wenn Sie was tolles gemacht haben. So oft kommt es ja auch nicht vor! Denn die meiste Zeit verbringen Sie damit uns Eltern in den Wahnsinn zu treiben.
Natürlich weiß ich, dass die kindliche Entwicklung, sowohl durch Vererbung, wie auch durch Umwelteinflüsse beeinflusst wird. Ist mir aber scheißegal und jetzt guckt mal hier die Bilder, die meine Söhne gemacht haben. Ziemlich cool! Haben die bestimmt von mir... 


Mann mit Helm

Ein Frühwerk meines Ältesten. Noch etwas wild, jedoch lässt das Bild bereits den wachen Blick und das feine Gespür des Fotografen für aufrüttelnde Motive erkennen. Der akzentuierte Einsatz von Lichteffekten fesselt den Betrachter. Die aufgeladene Symbolik vom Individuum, zurückgelassen in der Großstadt (Duplo City), zieht den Betrachter in seinen Bann und rührt mich heute noch zu Tränen. 


Blick durch die Hängematte

Ganz offensichtlich stammt diese Ablichtung aus einer glücklicheren Schaffens-Periode des Künstlers. Der helle Blick durch die selbst auferlegten Fesseln der Hängematte spendet uns Geborgenheit und Zuversicht.


Körperwelten

Dieses Selbstporträt zeigt auf eindrucksvolle Weise wie Jugend und Alter miteinander verschmelzen. Wenn man dem Auge genug Zeit zum Verweilen lässt, kann man die unzähligen Geschichten zwischen den Falten lesen. Geschichten von unerfüllter Liebe auf dem Spielplatz und dem tiefen Fall vom Klettergerüst.


Oh Vater, mein Vater! (1)

Das Spiel des Fotografen mit der Perspektive ist beispiellos. Ganz zweifellos steht der Künstler hier auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Der Vater, ganz offensichtlich, unnachgiebiger Patriarch der Familie und Bier-Trinker, wird an den Bildrand gedrückt. Die harte Figur wird liebevoll verklärt. Die Aufnahme durch das Innenleben einer zylinderförmigen Papprolle ist in den Lehrbüchern als Zewa-Methode bekannt. 


Oh Vater, mein Vater! (2)

Die Verletzlichkeit, die Trauer und die Haarlosigkeit des Alten sind wunderbar eingefangen. Ein zutiefst bewegendes und ehrliches Portrait. 


Der Bruder

Edvard Munchs "Der Schrei" nur eine Kinder-Kritzelei gegen diese expressionistische Wucht. Ein Spätwerk, dass deutlich macht, wie experimentierfreudig der Fotograf mit seinen beachtlichen 8 Jahren immer noch ist.


Zur Erläuterung:
Es ist ein probates Mittel von Erziehungsberechtigten, den Schutzbefohlenen irgendwas in die Hand zu drücken, sobald man in der Öffentlichkeit Gefahr läuft wegen des Kindergeschreis komisch angeguckt zu werden. Manchmal greift man zu solchen Mitteln auch nur weil man seine Ruhe haben will.

Smartphone und Tablett sind solche möglichen Stress-Killer, wenn man unterwegs ist. Oder in unserem Fall eine Digitalkamera, wodurch die meisten dieser Bilder entstanden sind. Früher war das schlimm, da gab es in Ermangelung solcher mobilen Endgeräte, meist etwas hinter die Ohren. 

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