Ich bin ein Dad - Holt mich hier raus!

DSCHUNGELPRÜFUNG IST WAS FÜR WEICHEIER...

Vor einigen Wochen endete mal wieder das populärste Format des Volkssenders RTL. Ich bin es übrigens sowohl leid mich dafür zu rechtfertigen, dass ich es mir angucke, wie auch, dass ich es leid bin, dass ich es mir überhaupt angucke.
Wie gewohnt gab es ordentlich Ekel, Krawall und Stars wie Du und ich im seelisch-körperlich verwahrlosten Ausnahmezustand. Von den Pappnasen auf der Mattscheibe ging es dann passenderweise direkt nahtlos weiter zum Karneval hier im Rheinland, aber das ist eine andere Geschichte.
Worauf ich eigentlich hinauswollte: Wir als zeitgenössische Väter können ja über die Herausforderungen bei dieser TV-Show nur müde lächeln. Auf unserer immer währenden Mission, dem Rollenbild gerecht zu werden, müssen wir uns ganz anderen Prüfungen unterziehen.

Psychologische Kriegsführung

Das wäre mal ein Format! Man steckt einige Prominente wahllos mit irgendwelchen Kindern zusammen und lässt sie den Alltag bestreiten. 
Fangen wir mal mit dem Lagerkoller an, der sich bei den Pseudo-Prominenten bereits nach wenigen Stunden einstellt. Den feinen Damen und Herren empfehle ich mal einen Sonntagnachmittag mit meinen Söhnen bei schlechtem Wetter zu verbringen.
Gerade zur Weihnachtszeit ist es besonders hart. Da ist Psycho-Terror angesagt.
Aber vom Feinsten, mein Lieber!
Hauen, vertragen, hauen, hauen, vertragen, hauen, vertragen, hauen, hauen, hauen, vertragen usw... Ein Wechselbad der Gefühle und Du mittendrin!

- Hör auf! Lass das.
- Hast Du schon wieder?
- Mensch, kannst Du nicht mal…
- Guck mal die Beule am Kopf Deines Bruders.
- Nu frag ihn mal, wie sich das anfühlt.
- Da sieht man ja schon die Zahnabdrücke auf dem Arm.
- Sag mal rede ich eigentlich (...und dann möglichst exotische Fremdsprache einsetzen)

Jede runtergeleierte Phrase saugt Dir Stück für Stück die Lebenskraft heraus. Man ist einfach machtlos, denn die Kurzen haben den längeren Atem und kennen keine Gnade.
Zack! Schnell im Vorbeigehen dem Bruder eine gedonnert. Brabbel, brabbel! Flüsterpost. Kleiner blöder Spruch und der Artgenosse schießt auf die Palme.
Die Erziehungsberechtigten versuchen es mit gut gemeinten Deeskalations-Strategien aus ihren unzähligen Eltern-Ratgebern und merken dabei nicht, dass Sie selbst die Ratten in einem perfiden Versuchsaufbau sind. Das Teuflischste an diesem alltäglichen Erziehungs-Thriller ist jedoch, dass die Kleinen es schaffen, dass wir uns am Ende schlecht fühlen. Mit vielen kleinen Nadelstichen führen Sie uns zum unausweichlichen, finalen Wutausbruch. Sobald der Donner durch die Flure grollt, täuschen sie uns mit ihren süßen, angsterfüllten Gesichtern vor, dass Sie ernsthaft Reue zeigen und niemals wieder böse sein werden. Zwangsläufig empfinden wir unsere Reaktion als übertrieben, überflüssig und erkennen plötzlich diesen Typ Eltern in uns, der wir niemals werden wollten und den wir normalerweise von der anderen Straßenseite aus in sicherem Abstand verurteilen. 
Also... da höre ich mir doch gerne mal ein paar Tage lang die Drogen- und Sex-Beichten von Brigitte Nielsen & Co. an oder lass mir von den Lästereien der Topmodel-Tussis die wunderbare Stille der Natur verhageln. Das ist nichts gegen den Psycho-Terror Deluxe, dem ich mich Zuhause ausgesetzt sehe.

Echte Dschungel-Prüfungen

Nichts gegen Kakerlaken, Spinnen und Schlangen, aber in meinen annähernd 10 Jahren der Vaterschaft habe ich schon deutlich furchtbarere Gräuel ertragen. Allein die Anekdoten, die ich mal unter dem Stichwort "Körperausscheidungen aller Art" zusammenfassen würde, toppen da alles was ich bei IBES bisher gesehen habe.
Das ist schon erstaunlich, wie einen der menschliche Körper immer wieder zu überraschen weiß. Komisch ist, dass man es relativ schnell als normal annimmt, mit den Armen bis zu den Ellenbogen in der Scheiße zu wühlen. Glücklicherweise legt man diese Affinität zu Fäkalien ebenso schnell wieder ab, sobald die Post-Pampers-Phase anbricht. Ist wahrscheinlich so etwas wie eine zweite anale Phase, die man gemeinsam mit den Sprösslingen durchlebt.
Und noch ein Wort zu den Ekel-Herausforderungen, bei denen man irgendwelche Tier-Genitalien oder püriertes Hirn verspeisen muss... Da sag ich nur: Alete (ist auch nicht viel besser).
Nächste Disziplin: Kinder tragen. Wie lange und wohin ich meine Abkömmlinge schon überall getragen habe (Dabei ist Ausdauer normalerweise nicht so meins). In der Regel mache ich nach ein paar hundert Metern schlapp. Wenn es allerdings ums Kleinkind schleppen geht, dann bin ich ein Athlet (wobei der Begriff Kleinkind ziemlich weit gefasst werden kann). 
Auf die Reflexe und die Geschicklichkeit, die für einen Dad unabdingbar sind, gehe ich mal nicht weiter ein. Da sagen Bilder mehr als Worte. Schaut Euch einfach mal dieses Video an (und ob Ihr es glaubt oder nicht, solch eine Szene hat jeder Vater schon erlebt, nur in diesem Moment leider keine Videokamera zur Hand um das Ganze zu dokumentieren):

Also im Ernst! Ich will mich nicht aufplustern, jedoch könnte es für unseren Schlag durchaus entspannend sein, sich mit ein paar Hundert Schlangen in eine Grube zu legen oder minutenlang auf Krokodil-Hoden rumzukauen. Echt jetzt!

Der Peinlichkeits-Faktor

Bestimmt nicht schön, sich vor einem Millionen-Publikum zum Horst zu machen. Wir Papas können dieses Gefühl ausgesprochen gut nachempfinden. 
Eine kleine Hitparade:

Platz 3 - Das altkluge Kind
Frage an die Erzieherin, die über Kopfschmerzen klagte: 
"Na, gestern wieder zu viel gesoffen?!"

Platz 2 - Der Klassiker Nr. 1 - Mit Kindern im Restaurant
Setzt dich gerade hin. Nimm den Kopf vom Teller. Nicht so laut. Mit Kindern in der Öffentlichkeit zu essen ist nicht schön. Das liegt daran, dass die meisten von uns der Meinung sind, dass sich gute Manieren in erster Linie in gutem Betragen bei Tisch manifestieren sollten. Wieder mal so eine deutsche Eigenart. Dummerweise machen wir Eltern es immer wieder - also das mit dem auswärts essen gehen - wahrscheinlich um der ganzen Welt zu verdeutlichen: Hier schaut uns an! Ja, wir haben Kinder, doch wir können trotzdem an Eurem gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Mein persönliches Highlight in dieser Kategorie:
Als wir mit den Kleinen in einem chinesischen Schnell-Restaurant aßen und nach unserem Aufstehen sofort 8 Mitarbeiter aus der Küche geflogen kamen und sich mit allen möglichen Putzutensilien auf unseren Tisch stürzten, um diesen wieder in eine einigermaßen vorzeigbare Form zu bringen.

Platz 1 - Der Klassiker Nr. 2 - Mit Kindern im Supermarkt
Szene an der Kasse: Kind schreit, weil es etwas nicht bekommt. Mutter, die natürlich in 99 von 100 Fällen nachgibt und das Teil kauft, will es heute wissen. Sie bleibt eisern. Kind schreit lauter. Mutter reagiert nicht. Kind schreit noch lauter. Das Gesicht voller Tränen. Sieht schrecklich aus. Mutter kann selbst ein paar Tränen nicht unterdrücken. Nicht einmal der Industriereiniger, der durch die Gänge fährt vermag den Lärm zu übertönen. Die Schlange an der Kasse ist lang. Alle gucken. Was soll man auch machen? Ist ja sonst nichts los.  
Erklärungsversuch der Mutter an die Kassierierin: "Naja, das tut mir leid, aber da muss sie jetzt durch!"
Kommentar eines weiteren Kunden der etwas weiter weg steht: "JA! Und wir anderen auch!"

Ich schätze mein Standpunkt ist damit klar.
Zur Verteidigung der Berühmtheiten aus der dritten und vierten Reihe soll erwähnt werden, dass ja sicherlich der eine oder andere von denen ebenfalls den Titel Mommy oder Daddy trägt. Das wiederum könnte erklären, warum die überhaupt in den Dschungel gehen. Einfach um mal ein wenig Ruhe zu haben. Um die Kohle geht es denen ja meist nicht.... 

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