Gute Eltern, schlechte Eltern!

Ein Kommentar zum Junior-Marathon von Linz

 

Die Sache mit dem "falschen Ehrgeiz" bringt einen nicht nur als Eltern immer mal wieder in die Bredouille. Der Wunsch zu gewinnen lässt so ziemlich jeden Menschen schon einmal übers Ziel hinausschießen.
Da geht man als aufgeschlossener, sportlich begeisterter und pflichterfüllender Elternteil mit dem Nachwuchs zu einem sportlichen Event um das Kind zu fördern und für den Bewegungsdrang des selbigen Sorge zu tragen und erwacht plötzlich im schlimmsten Alptraum.

Zuhause noch gefragt: Und willste da wirklich mitmachen?

Das Kind sagt natürlich mit leuchtenden Augen: Jaaaaaaa!

Eine Stunde später steht man mit dem plärrenden Balg in einem Pulk von fanatischen Erziehungsberechtigten, die sich gegenseitig mit ihren "ach so tollen" Zöglingen zu übertreffen versuchen. Warum kann er / sie denn jetzt nicht einfach mal mitmachen? Wo man doch genau weiß, dass der Sohn / die Tochter hier alle anderen locker in den Schatten stellen könnte. Wenn er / sie denn nur wollte...

Da kann man schon einmal den Pfad der politischen Korrektheit aus den Augen verlieren und plötzlich findet man sich selbst mit einem unvorteilhaften Schnappschnuss in der Tagespresse wieder. So oder so ähnlich mag es dem einen oder anderen Vater vor gut zwei Wochen ergangen sein.  

Das Ding mit dem ersten Stein...

Nun kann man nicht leugnen, dass das schlimme Bilder sind und dass man in solch einem Fall dem Mob seinen Shit-Storm gewähren muss.

Allerdings halte ich die Berichterstattung nicht für sonderlich differenziert, und die Kommentare der Internet-Gemeinschaft zeugen auch nicht gerade von besonderer Empathie für die Opfer. Und mit Opfer meine ich hier nicht nur die Kinder.

Mal abgesehen vom üblichen Trollen, fallen hier ganz schnell Begrifflichkeiten wie Kindesmisshandlung und Sorgerechtsentzug. Ein Schlag ins Gesicht von den Heranwachsenden, die sich tatsächlich mit häuslicher Gewalt konfrontiert sehen. Erfahrungsgemäß kann man sagen, dass solche unqualifizierten Aussagen entweder...

a) ... von Menschen stammen, die keine Kinder haben und deshalb zwar schon irgendwie mitreden dürfen, aber eigentlich auch nicht!

b) ... von Menschen stammen, die selbst noch viel schlimmer sind, als diejenigen die deren Kritik ertragen müssen.


Wahrscheinlich sind das die gleichen besorgten Bürger, die mich auf Facebook zwingen ihre kruden Ansicht zur Flüchtlingssituation in Deutschland wahrzunehmen.
Na komm,... jetzt fang ich selbst schon an mit der Manipulation und Effekthascherei.

Belassen wir es doch einfach beim bekannten Bibel-Zitat und lassen den unter uns vortreten, der sich noch keinen pädagogischen Fehltritt hat zu Schulden kommen lassen.

M.K.K.

Mein Kind kann...

Eigentlich merkwürdig, dass das noch keinen geläufige Abkürzung in Familienkreisen ist. Und ich wette, dass so ziemlich jeder diesen Satz vervollständigen kann.
Mein großer Sohn hat zum Beispiel mit seinen 9 Jahren nun schon alle Teile der Harry Potter Saga gelesen. Echt wahr! Das finde ich beachtlich. Ich kenne Erwachsene, die in Ihrem bisherigen Leben nicht so viele Bücher gelesen haben (dabei meine ich übrigens Erwachsene, die es durchaus zu etwas gebracht haben und nicht solche, die unter einer Brücke wohnen). Außerdem ist er gut in Mathe.
Der Jüngere ist ebenso ein begnadeter Leser. Mit 6 Jahren hat er schon vor Publikum auf Geburtstagsfeiern vorgetragen. Freunde und Familie saßen da mit offenem Mund.
Will man mich nun dafür verurteilen, dass ich nicht müde werde diese besonderen Leistungen meiner Erben auf einen Thron zu stellen?
Auf diesem Nährboden aus väterlichem Stolz können dann solch beängstigende Auswüchse entstehen, wie wir sie in Österreich beobachtet haben.
Die Gründe für dieses elterliche Fehlverhalten können aus meiner Sicht verschiedene Ursprünge haben:

 

1. Die Angst vor der wachsenden Leistungs-Gesellschaft, in der nur die besten Platz haben werden.

 

2. Die eigenen Talente und Fähigkeiten, die man wie in einem Spiegelbild bestätigt sieht. (siehe dazu auch meinen letzten Blog Beitrag zum Thema "Erziehung")

3. Oder man ist einfach nur froh, dass der Spross bei der ganzen Scheiße, die er so fabriziert, auch mal was Vorzeigbares produziert.

Leben und Leben lassen

Der nächste Junior-Marathon ist übrigens abgesagt. Die Eltern, die auf den Fotos abgebildet sind, haben sich bestimmt schon eine Menge anhören müssen.
Also mal zurück zum Tagesgeschäft. Die Medien haben ebenfalls schnell gemerkt, dass es wichtigere Themen gibt, die unserer Aufmerksamkeit bedürfen.
In einem Artikel im Stern habe ich mal von einem Vater gelesen, der mit seinen schreienden Kindern auf einen einsamen Parkplatz gefahren ist. In seiner Not berichtete er dem Nachwuchs, dass es sich hier um einen Ort handele, wo kleine Monster ausgesetzt werden. Das Horror-Märchen hatte durchschlagenden Erfolg auf das Betragen der Kinder. Die höchst fragwürdige Disziplinar-Maßnahme wurde in diesem Zusammenhang von einer Psychologin sogar verteidigt. Solange das sonstige familiäre Umfeld gefestigt ist und das Kind sich der Liebe der Eltern gewiss sein kann, darf man sich schon einmal einen derben Spaß mit den Kids erlauben.

Also, in diesem Sinne, denkt an meine Worte wenn Ihr das nächste Mal Eure Tochter anbettelt diesen witzigen Tanz aufzuführen, dem Sohn Geld dafür bietet, dass er ein Gedicht aufsagt oder wenn Ihr wie Gehirnamputierte vor dem Baby sitzt und peinliche Faxen aufführt, damit es noch einmal dieses süße Gesicht macht.

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